Unlearning

Öffentlicher Raum ist codiert. Es ist klar, was „man“ dort macht und was auch nicht. An einer Kreuzung bleibt man stehen. Ein Platz heißt, wie er heißt. Straßen werden befahren, man spricht nicht zu laut – zumindest in München – man hält eine gewisse Distanz zum nächsten Menschen ein, Männer laufen manchmal oben ohne, Frauen nicht, Leute die „fremd“ zu sein scheinen, werden oft komisch angeschaut.

Aber: Muss das denn eigentlich so sein? Nur weil etwas Konvention ist, heißt es ja nicht, dass diese nicht in Frage gestellt werden kann. Wem gehört der Raum, was darf dort getan werden und wer bestimmt eigentlich darüber? Vielleicht ist es ja Zeit für ein „Unlearning“.

Un-Learning, also Ver-Lernen, wird im Cambridge Dictionary so definiert:
“To make an effort to forget your usual way of doing something so that you can learn a new and sometimes better way”
(Energie aufwenden um die gewohnte Art etwas zu tun, zu vergessen, so dass man eine neue und manchmal bessere Art und Weise etwas zu tun, lernen kann)

Dabei spielt ein Begriff eine wichtige Rolle, der weder von Unlearning noch von öffentlichem Raum wegzudenken ist – Macht.

In diesem Themenforum werden wir die Diskussion zu Unlearning im öffentlichen Raum unter einem machtkritischen Blick diskutieren. Gemeinsam mit verschiedenen Kollektiven und Initiativen sprechen wir über Projekte, die sie im öffentlichen Raum realisiert haben und wie dort das Thema Unlearning hineinspielt. Nach einem Fachinput diskutieren wir anhand von konkreten Projekten und Erfahrungen, welche Konditionen Unlearning braucht, wie man gewohnte Muster in Frage stellen kann und wie man neues Wissen konsolidiert.

Das Themenforum wurde gemeinsam mit dem Bellevue di Monaco (Manina Ott) entwickelt.

Fachinput: Carla Bobadilla

Von und Mit:

Das Bellevue di Monaco ist ein Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete und interessierte Münchnerinnen und Münchner im Herzen der Stadt.

Carla Bobadilla ist eine forschende Künstlerin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung von Kommunikations- und Vermittlungspraktiken, insbesondere in den Bereichen der postkolonialen Kritik und der Critical Race Theory. Als Senior Lecturer an der Akademie der bildenden Künste in Wien lehrt sie, wie Formate entwickelt werden können, die eine Verhandlung von Fragen zum kulturellen Erbe innerhalb eines postkolonialen Kontextes unter Verwendung dekolonisierender Methodologien ermöglichen.


Die Städtischen
sind ein Kollektiv aus vielen Menschen unterschiedlichster Disziplinen die in verschiedenen Projekten die Stadtlandschaft aktiv gestalten- von Kunstaktionen, Möblierung öffentlicher Plätze zu Projektionen und noch viel mehr ist alles dabei. Stadtraum soll für mehr Menschen nutzbar sein und dessen Potential sichtbar gemacht werden ist hier die Devise. Sie bieten eine Plattform für Kunst, Literatur, Musik, Film, Architektur und Umwelt im städtischen Raum.
Vertreten durch Jan Pedro te Kock, 23 Jahre alt: Ich bin als Sohn einer deutschen Mutter und eines dominikanischen Vaters in München aufgewachsen. Die Musik und das Theater begleiten mich schon seit frühen Jahren. Ich engagiere mich bei verschiedenen sozialen Projekten für Inklusion und sehe es (auch aufgrund meiner bi-kulturellen Identität) als einen essenziellen Teil der Demokratie in der wir leben, den Dialog zwischen verschiedensten Lagern zu fördern, um die Gesellschaft näher zueinander zu bringen und sich auf das Miteinander und die gemeinsame Kollaboration zurückzubesinnen. Mit dem kollektiv “Die Sädtischen” organisiere ich Kulturveranstaltungen und Interventionen im öffentlichen Raum, die als Ziel haben ungenutzte Potentiale im öffentlichen Raum zu erkennen, auf Missstände aufmerksam zu machen und die Bewohner*innen der Stadt in das Stadtbild zu inkludieren. Außerdem bin ich Modell und Musiker und veröffentliche meine Musik unter dem Namen “Cashmere Caramel”. In meiner Musik setze ich mich zudem mit sozialen und kulturellen Schwerpunkten auseinander und trage diese auf deutsch, spanisch und englisch vor.
Um eine Intervention im öffentlichen Raum zu inszenieren ist es notwendig, sich aufmerksam im öffentlichen Raum zu bewegen. Dabei muss man sich einige Fragen stellen. Diese führen dann zu der Wahrnehmung der Besonderheiten des Raums
• Wo bin ich und was passiert an diesem Ort?
• Wofür ist dieser Ort gedacht und wofür könnte man ihn noch nutzen?
• Was fehlt (mir) hier?
• Wo liegt verborgenes Potential?
• Was kann ich (für andere) tun damit dieser Ort zu einem besseren wird?
• Welche Auswirkungen könnte mein Eingriff in den Raum haben?

Cambio Muc  ist eine Gruppe, die sich dafür einsetzt den Kolumbusplatz und -Straße in München umzubenennen. Decolonize Munich ist hier das Schlagwort. Während in Städten wie Berlin die Dekolonialisierung weiter ins Rollen kommt, bleibt München träge. Somit bleibt die Aufarbeitung kolonialer Kontinuitäten innerhalb der Stadtbilder weiterhin eine Aufgabe, die Stadträt*innen schon zu lange vor sich hinschieben. Mit ihrer Petition openpetition.de/!cambiomuc möchten sie in den Austausch mit Münchner Bürger*innen treten und ein Zeichen für ein antirassistisches und antikoloniales München setzten.

 

 

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Themenforum – Unlearning

Verlernen lernen im öffentlichen Raum

Geli Schmaus im Gespräch mit der forschenden Künstlerin Carla Bobadilla, Sicaru Cuéllar Paprotta von Cambio Muc und Jan Pedro te Kock von Die Städtischen.

Dieses Forum war am 06.10.2021 live im Stream auf der Webseite zu verfolgen.

Unlearning

Öffentlicher Raum ist codiert. Es ist klar, was „man“ dort macht und was auch nicht. An einer Kreuzung bleibt man stehen. Ein Platz heißt, wie er heißt. Straßen werden befahren, man spricht nicht zu laut – zumindest in München – man hält eine gewisse Distanz zum nächsten Menschen ein, Männer laufen manchmal oben ohne, Frauen nicht, Leute die „fremd“ zu sein scheinen, werden oft komisch angeschaut.

Aber: Muss das denn eigentlich so sein? Nur weil etwas Konvention ist, heißt es ja nicht, dass diese nicht in Frage gestellt werden kann. Wem gehört der Raum, was darf dort getan werden und wer bestimmt eigentlich darüber? Vielleicht ist es ja Zeit für ein „Unlearning“.

Un-Learning, also Ver-Lernen, wird im Cambridge Dictionary so definiert:
“To make an effort to forget your usual way of doing something so that you can learn a new and sometimes better way”
(Energie aufwenden um die gewohnte Art etwas zu tun, zu vergessen, so dass man eine neue und manchmal bessere Art und Weise etwas zu tun, lernen kann)

Dabei spielt ein Begriff eine wichtige Rolle, der weder von Unlearning noch von öffentlichem Raum wegzudenken ist – Macht.

In diesem Themenforum werden wir die Diskussion zu Unlearning im öffentlichen Raum unter einem machtkritischen Blick diskutieren. Gemeinsam mit verschiedenen Kollektiven und Initiativen sprechen wir über Projekte, die sie im öffentlichen Raum realisiert haben und wie dort das Thema Unlearning hineinspielt. Nach einem Fachinput diskutieren wir anhand von konkreten Projekten und Erfahrungen, welche Konditionen Unlearning braucht, wie man gewohnte Muster in Frage stellen kann und wie man neues Wissen konsolidiert.

Das Themenforum wurde gemeinsam mit dem Bellevue di Monaco (Manina Ott) entwickelt.

Fachinput: Carla Bobadilla

Von und Mit:

Das Bellevue di Monaco ist ein Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete und interessierte Münchnerinnen und Münchner im Herzen der Stadt.

Carla Bobadilla ist eine forschende Künstlerin. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung von Kommunikations- und Vermittlungspraktiken, insbesondere in den Bereichen der postkolonialen Kritik und der Critical Race Theory. Als Senior Lecturer an der Akademie der bildenden Künste in Wien lehrt sie, wie Formate entwickelt werden können, die eine Verhandlung von Fragen zum kulturellen Erbe innerhalb eines postkolonialen Kontextes unter Verwendung dekolonisierender Methodologien ermöglichen.


Die Städtischen
sind ein Kollektiv aus vielen Menschen unterschiedlichster Disziplinen die in verschiedenen Projekten die Stadtlandschaft aktiv gestalten- von Kunstaktionen, Möblierung öffentlicher Plätze zu Projektionen und noch viel mehr ist alles dabei. Stadtraum soll für mehr Menschen nutzbar sein und dessen Potential sichtbar gemacht werden ist hier die Devise. Sie bieten eine Plattform für Kunst, Literatur, Musik, Film, Architektur und Umwelt im städtischen Raum.
Vertreten durch Jan Pedro te Kock, 23 Jahre alt: Ich bin als Sohn einer deutschen Mutter und eines dominikanischen Vaters in München aufgewachsen. Die Musik und das Theater begleiten mich schon seit frühen Jahren. Ich engagiere mich bei verschiedenen sozialen Projekten für Inklusion und sehe es (auch aufgrund meiner bi-kulturellen Identität) als einen essenziellen Teil der Demokratie in der wir leben, den Dialog zwischen verschiedensten Lagern zu fördern, um die Gesellschaft näher zueinander zu bringen und sich auf das Miteinander und die gemeinsame Kollaboration zurückzubesinnen. Mit dem kollektiv “Die Sädtischen” organisiere ich Kulturveranstaltungen und Interventionen im öffentlichen Raum, die als Ziel haben ungenutzte Potentiale im öffentlichen Raum zu erkennen, auf Missstände aufmerksam zu machen und die Bewohner*innen der Stadt in das Stadtbild zu inkludieren. Außerdem bin ich Modell und Musiker und veröffentliche meine Musik unter dem Namen “Cashmere Caramel”. In meiner Musik setze ich mich zudem mit sozialen und kulturellen Schwerpunkten auseinander und trage diese auf deutsch, spanisch und englisch vor.
Um eine Intervention im öffentlichen Raum zu inszenieren ist es notwendig, sich aufmerksam im öffentlichen Raum zu bewegen. Dabei muss man sich einige Fragen stellen. Diese führen dann zu der Wahrnehmung der Besonderheiten des Raums
• Wo bin ich und was passiert an diesem Ort?
• Wofür ist dieser Ort gedacht und wofür könnte man ihn noch nutzen?
• Was fehlt (mir) hier?
• Wo liegt verborgenes Potential?
• Was kann ich (für andere) tun damit dieser Ort zu einem besseren wird?
• Welche Auswirkungen könnte mein Eingriff in den Raum haben?

Cambio Muc  ist eine Gruppe, die sich dafür einsetzt den Kolumbusplatz und -Straße in München umzubenennen. Decolonize Munich ist hier das Schlagwort. Während in Städten wie Berlin die Dekolonialisierung weiter ins Rollen kommt, bleibt München träge. Somit bleibt die Aufarbeitung kolonialer Kontinuitäten innerhalb der Stadtbilder weiterhin eine Aufgabe, die Stadträt*innen schon zu lange vor sich hinschieben. Mit ihrer Petition openpetition.de/!cambiomuc möchten sie in den Austausch mit Münchner Bürger*innen treten und ein Zeichen für ein antirassistisches und antikoloniales München setzten.

 

 

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